Neue Räume: Reflektionen des Gründers und Zitate ausgewählter Autoren

Umzug der Münstergass-Buchhandlung oder die Eroberung der Vertikale

Eine Buchhandlung hat ihre Eckdaten, die unseren sind folgende: 1972: Eröffnung des Geschäftes an der Münstergasse 41. 1985: Umzug in die grösseren Lokalitäten an der Münstergasse 35. 1995: Ausdehnung in die Höhe: Der erste Stock wird als Backoffice übernommen. Frühlingsbeginn 2006: Die Räume an der Münstergasse 33 sind renoviert, wir ziehen ins Nebenhaus.

Auch grosse Erfindungen haben Eckdaten: 1854 erfand Elisha Graves Otis in New York die so genannte Fallsicherung für Warenaufzüge. Bei einem allfälligen Tragseilriss verkeilte sich die Liftkabine blitzschnell automatisch in der Führungsschiene. Man staunte und war begeistert.

Lifte – bis anhin nicht ganz risikolose Hilfsmittel zum Transport von Gütern – waren nun schlagartig sicher geworden; es gab keine Abstürze und Unfälle mehr. Der Warenaufzug wurde zur Lebensader, zum Nervenstrang des Gebäudes. Damit begann eine ganz neue Ära. Natürlich war der Liftboy unentbehrlich. Er war der Chauffeur und Begleiter, ähnlich dem Kondukteur, mit kecker Uniform und adrettem Hut sauste er den ganzen Tag rauf und runter; «up and out» war die Devise.

In unseren neuen Lokalitäten ist der Warenlift das unverzichtbare Kernstück. Wir lassen ihn uns etwas kosten und erobern damit endgültig die Vertikale. Für die Zukunft und die anrollenden Buchlieferungen sind wir damit gut gerüstet. Ausgepackt, verarbeitet und spediert werden die Bücher nun ausschliesslich im ersten Stock, denn das Parterre gehört ab sofort ganz der Kundschaft.

Dieser Umzug ist Neubeginn und gleichzeitig auch Ende einer ganzen Epoche, er ist der Sprung in wirklich funktionale Räume. Wir haben erstmals einen Fronteingang und ein unter Denkmalschutz stehendes Schaufenster; der Laden ist um ein Drittel grösser. Der erste Stock, unser Backoffice, frisch renoviert, dezent grau gestrichen und mit blauem Linoleumboden, hat eine wohltuende Geräumigkeit. Die Glastreppe ins Backoffice lässt auch die Kundinnen und Kunden einen Blick auf die wahre Grösse unseres Geschäftes erhaschen. Wer früher zwei, drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sah und über unsere vielen Telefone staunte, sieht jetzt mehr, sieht hinein in das Getriebe und Räderwerk der täglichen Arbeit.

Die Fallsicherung garantierte den Erfolg des Warenaufzuges, eine Fallsicherung (im übertragenen Sinn) gibt es im Handel nie. Planerisches Geschick, Flexibilität und exaktes Arbeiten sind unsere hauseigenen «Fallbremsen».

–Ulrich Riklin, 12.02.2006

Zitate zu Umzug, Veränderung und Fortschritt

Statt Zweifel, Hoffnungen, Befürchtungen und unsere Vorfreude während den Vorbereitungen und Entscheiden in der Umbauphase bis zum Umzug selbst in Worte zu fassen, zitieren wir Kenner und Könner:

Anfangs wollt ich fast verzagen,
Und ich glaubt, ich trüg es nie;
Und ich hab es doch getragen –
Aber fragt mich nur nicht, wie.
–Heinrich Heine, 1797–1856

Es gibt kein Vergangenes, das man zurücksehnen darf, es gibt nur ein ewig Neues, das sich aus den erweiterten Elementen der Vergangenheit gestaltet, und die echte Sehnsucht muss stets produktiv sein, ein Neues, Besseres zu schaffen.
–Giordano Bruno, 1548–1600

Fortschritt ist die Verwirklichung von Utopien
–Oscar Wilde, 1854–1900

Der Fortschritt lebt vom Austausch des Wissens.
–Albert Einstein,1879–1955

Fortschritt ist das Werk der Unzufriedenheit
–Jean-Paul Sartre, 1905–1980

Alles verwandelt sich, nichts stirbt.
In schöner Verwandlung
Wird die Hoffnung Genuss
Und das Verlorne Gewinn.
–Johann Gottfried von Herder, 1744–1803

Es ist nicht gesagt dass es besser wird wenn es anders wird, wenn es aber besser werden soll, muss es anders werden.
–Georg Christoph Lichtenberg, 1742–1799

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