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Lucy Fricke: Töchter
Maggie O'Farrell: Ich bin, ich bin, ich bin
Monika Maron: Munin oder Chaos im Kopf
Jane Gardam: Weit weg von Verona
Therese Bichsel: Überleben am Red River

Lucy Fricke
Töchter

Lucy Fricke: Töchter

Martha und Betty, die Erzählerin, verbindet eine langjährige Freundschaft. Zu dritt und nicht ganz freiwillig fahren sie mit dem uralten Golf von Kurt, Marthas todkrankem Vater, in die Schweiz in ein Sterbeinstitut. Hannover - Chur: So sollten die Stationen dieser finalen Fahrt heissen. Doch alles kommt ganz anders, sowohl für die beiden Reisebegleiterinnen wie auch für den alten Mann.

Lucy Fricke schafft in ihrem neuen Roman zuerst eine eher traurige Ausgangslage, bevor es überraschend und temporeich weitergeht. Im Buch «Töchter» ist ihr vieles gleichzeitig gelungen. Die Autorin bringt es fertig eine moderne Road-Novel zu schreiben, dem Verhältnis zwischen (abwesenden) Vätern und Töchtern nachzugehen und sie erfasst mit feinem Gespür das Lebensgefühl von Frauen über vierzig.

Sehr gelungen sind die Gespräche im Auto zwischen Martha als Beifahrerin, Betty am Steuer und dem bedrohlich hustenden Kurt auf der Rückbank. Sie sind humorvoll, selbstironisch und klug geschrieben.

Ein beeindruckendes Buch voller zeitloser Themen, echten Bildern, Gefühlen vom Unterwegs sein und guten Dialogen.

Lucy Fricke, 1974 in Hamburg geboren, wurde für ihre Arbeiten mehrfach ausgezeichnet. Sie lebt in Berlin.

Susanne Bühler

Rowohlt, 2018
240 Seiten, Gebunden
ISBN 978-3-498-02007-1

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CHF 28.90

Maggie O'Farrell
Ich bin, ich bin, ich bin
Siebzehn Berührungen mit dem Tod

Maggie O'Farrell: Ich bin, ich bin, ich bin

«Als Kind dem Tod so nah gewesen zu sein und dann das Leben neu geschenkt zu bekommen, hat mich viele Jahre lang verwegen gemacht, nonchalant gegenüber dem Risiko, geradezu tollkühn.»

Mit acht Jahren überlebt Maggie O'Farrell (geb. 1972 in Nordirland) nur knapp eine Gehirnhautentzündung. Als rastloser Teenager springt sie aus einer spontanen Laune heraus im Dunkeln aus 15 Meter Höhe in einen Fluss und entgeht nur knapp dem Ertrinken. Sie reist in Nachtzügen quer durch Europa und kommt um Mitternacht ohne Quartier in fremden Städten an. In Chile drückt ihr ein Fremder die Klinge einer Machete an den Hals, und auf einer Bergtour fängt sie einen amöbischen Parasiten ein, den sie in einem lebensgefährlichen Stadium fiebriger Dehydrierung in einem Spital in China knapp besiegen kann.
Fröstelnd und mit angehaltenem Atem liest man die Geschichte «Hals», in der sich Maggie O'Farrell als 18-Jährige auf einer einsamen Wanderung im Lake District aus den Fängen des Mannes befreit, den sie zwei Wochen später gegenüber der Polizei als Mörder und Vergewaltiger einer 22-jährigen Tramperin identifizieren wird.
In 17 Episoden erzählt die Autorin anhand von lebensbedrohenden Situationen ihr Leben beziehungsweise schildert ihr «Beinahesterben».
Maggie O'Farrell hat ein fesselndes und sehr ehrliches Buch geschrieben, das einen unweigerlich darüber nachdenken lässt, wie oft man im eigenen Leben schon solch ganz existenziellen Situationen gegenüberstand.

Therese Heiniger

Piper Verlag, 2018
256 Seiten, Gebunden
ISBN 978-3-492-05889-6

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Monika Maron
Munin oder Chaos im Kopf

Monika Maron: Munin oder Chaos im Kopf

Das hat wahrlich Freude gemacht: Monika Maron legt einen Roman vor, der gescheit, aktuell und politisch, das heisst rundum gelungen ist. Geschickt sind die Rollen verteilt, von der Journalistin und deren Arbeit zum Dreissigjährigen Krieg zur nervtötenden kleinen Operettensängerin und dem Ehepaar aus dem Osten. Sie alle wohnen in einer kleinen Berliner-Quartierstrasse, im alten Westen. Die Anwohner haben alltägliche Reibereien. Eines Tages findet sich ein Rabe bei der Autorin ein, der ungewohnte Fragen und Antworten auf grosse Probleme hat. Die Konflikte eskalieren und die Auseinandersetzungen werden bedrohlich. Der Rabe, der nur von der Autorin verstanden wird, greift mit philosophischen Fragen ein. 
Monica Maron brilliert mit ihrer exakten Sprache, ihrem Handwerk, das sie wahrlich beherrscht.

Ulrich Riklin

S.Fischer Verlag, 2018
224 Seiten, Gebunden
ISBN 978-3-10-048840-4

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CHF 28.90

Jane Gardam
Weit weg von Verona

Jane Gardam: Weit weg von Verona

Jessica ist dreizehn und möchte Schriftstellerin werden. Gasmasken, Sirenen und Bombenangriffe gehören während dem zweiten Weltkrieg zu ihrem Alltag, ihr Fokus liegt jedoch viel mehr auf Konflikten mit Lehrerinnen und Mitschülerinnen, auf ihrer Familie und dem ersten Schwarm. Jane Gardam schreibt überzeugend aus der Perspektive des intelligenten jungen Mädchens. Jessicas Wahrnehmung ist selektiv, ihre Beschreibungen manchmal übertrieben und ihr Verständnis beschränkt. Die Leichtigkeit der Sprache und die aufgeweckte Erzählerin sorgen zweifellos für einen unterhaltsamen Text. Darunter liegt aber eine Tiefe, die sich nur durch aufmerksames Lesen offenbart. Allgegenwärtig ist der Krieg mit Lebensmittelbeschränkungen, wachsender Armut und irregeleiteten Bomben inmitten des internen Konfliktes der sozialen Klassen. Der Roman wurde bereits 1971 in England veröffentlicht und ist nun erstmals ins Deutsche übersetzt worden.

Marion Troxler

Hanser Berlin, 2018
240 Seiten, Gebunden
ISBN 978-3-446-26040-5

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CHF 31.90

Therese Bichsel
Überleben am Red River

Therese Bichsel: Überleben am Red River

Die Jahre ohne Sommer in Europa haben um 1816/1817 viele Familien in tiefe Not gebracht. So auch die Familien Rindisbacher und Scheidegger aus dem Bernbiet. Da kommt der Berner Patrizier und Hauptmann Rudolf von May gerade recht, der den Vätern die Auswanderung ins gelobte Land Kanada schmackhaft macht. In einer Werbebroschüre schwärmt er von einem Schlaraffenland, das die Auswanderer in der Kolonie des Red River, im Gebiet des heutigen Winnipeg, vorfinden würden. Das Klima sei gemässigt und gesund, erzählt er, der Boden fruchtbar und leicht zu bearbeiten, Jagd und Fischerei fielen äusserst ergiebig aus, und die Siedler, die sich dort niedergelassen hätten, würden sich «allda sehr glücklich befinden». So entschliessen sich die Männer, denen allein der Entscheid zusteht, für die Auswanderung. Als 1821 bei Wintereinbruch 170 Kolonisten nach einer strapaziösen Reise ihr Ziel erreichen, finden sie aber die weitaus grössere Not vor als zu Hause.

Therese Bichsel rollt in ihrem neuen Buch die Geschichte einer unsäglichen Enttäuschung auf, die in Briefen der Siedler, in Zeitungsausschnitten und einer Broschüre dokumentiert ist. Ihre Stimme aber gibt sie zwei weiblichen Familienangehörigen: der 21-jährigen Elisabeth Rindisbacher und der 11-jährigen Anni Scheidegger.
Auf Basis genauer Recherchen, und begleitet von den Bildern des Indianermalers Peter Rindisbacher, gibt die Autorin Einblicke in das harte Leben der Schweizer Siedler am Red River. Interessant ist der Roman gerade im heutigen Kontext, wo viele Menschen auf ein besseres Leben in unserem Land hoffen.

Jana Kilchenmann

Zytglogge, 2018
361 Seiten, Gebunden
ISBN 978-3-7296-0985-3

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