Buchtipps vom 14. März 2008

Herman Melville: Bartleby, der Schreiber
Herman Melville: Moby-Dick oder Der Wal
Miguel de Cervantes Saavedra: Don Quijote
Novalis: Heinrich von Ofterdingen
Gustave Flaubert: Drei Erzählungen
Robert Louis Stevenson: Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde
Ernest Hemingway: Fiesta

Herman Melville
Bartleby, der Schreiber

Herman Melville: Bartleby, der Schreiber

«Ich möchte lieber nicht.» Ein folgenschwerer Satz, mit dem der neue Kopist, Bartleby, seinen Vorgesetzten in den Wahnsinn treibt. Anfangs erscheint der Neuling lediglich etwas absonderlich auf seinen Vorgesetzten wie auch auf seine Arbeitskollegen. Bartleby arbeitet zu Beginn speditiv, doch lässt das immer mehr nach. Je öfter sein Vorgesetzter ihm eine Arbeit aufträgt, desto mehr bekommt er den Satz «Ich möchte lieber nicht.» zu hören. Die Arbeitskollegen schäumen vor Wut, bleibt doch nun die ganze Arbeit an ihnen hängen. Kein Verständnis können sie für das Handeln ihres Vorgesetzten aufbringen, behandelt dieser Bartleby doch zuvorkommend. Denn der Schreiber hat sich sein eigenes kleines «Büro» im Büro des Vorgesetzten eingerichtet und macht den ganzen Tag praktisch nichts mehr.
Der Vorgesetzte schwankt zwischen seinen Emotionen. Erst ist er verwundert über Bartlebys Verhalten, dann sauer, ja er will ihn sogar entlassen, worauf ihm Bartleby wieder antwortet «Ich möchte lieber nicht.». Als weder gutes Zureden noch Wutausbrüche den Stand der Dinge zu ändern vermögen, beschliesst der Anwalt schliesslich mit seinem Büro und den anderen zwei Mitarbeitern umzuziehen. Aus den Augen, nicht aber aus dem Sinn, beschliesst der Anwalt nachzusehen ob, ja könnte es denn möglich sein, Bartleby am alten Ort geblieben ist. Die alten Räume sind leer. Leer bis auf Bartleby, der als letzte Erinnerung an das ehemalige Büro des Anwalts zurückgeblieben ist?

Eine Geschichte, die den Leser schmunzeln lässt und auch in Staunen versetzt. Langeweile kommt in diesem Buch keine auf und der Schluss ist nicht absehbar und überraschend.

Wenn Sie in unserer Buchhandlung stehen und dieses Buch sehen, dann sagen Sie nicht: «Ich möchte lieber nicht.»
Nara Muntwyler

Insel Verlag, Frankfurt 2004
96 Seiten, Kartoniert
ISBN 978-3-458-34734-7

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CHF 12,50

Herman Melville
Moby-Dick oder Der Wal

Herman Melville: Moby-Dick oder Der Wal

1851 - hundert Jahre genau vor meiner Geburt ist das Buch erschienen. Melville beschrieb die damals wichtigste Industrie der USA überhaupt, den Walfang. Wenige Jahre später erst wurde das Erdöl entdeckt, das hiess das Ende der über tausend amerikanischen Trawler, die weltweit auf den Meeren den kostbaren Rohstoff ausbeuteten. Er beschrieb aber auch die unermüdliche, ja geradezu besessene Mission der Amerikaner und unterlegte dem Werk eine stark religiöse, andererseits aber auch eine sehr skeptische Dimension.
Hier eine Kostprobe aus der Predigt des Schiffskochs zu den gierig fressenden und schmatzenden Haifischen:
«Your woraciousness, fellow-critters. I don't blame ye so much for; dat is natur, and can't be helped; but to gobern dat wicked natur, dat is de pint. You is sharks, sartin; but if you gobern de shark in you, why den you be angel; for all angel is not'ing more dan de shark well goberned.» Wie grossartig hat {Matthias Jendis übersetzt|book.php?id=464}:
«Brüder im Geiste, eure Vafressenheit, da könnt ihr nix für, das is eure Natur, und da kann man nix machen. Aber die böse Natur in Zaun halten, das isses! Klar, ihr seid Haie, aber wenn ihr den Hai in euch in Zaun haltet, tja, dann seid ihr Engel, weil ein Engel is nix anderes wie'n Haifisch, wo sich in Zaun hält.»
Ulrich Riklin

BTB Verlag, München 2003
1041 Seiten, Kartoniert
ISBN 978-3-442-72731-5

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CHF 24,90

Miguel de Cervantes Saavedra
Don Quijote
Der sinnreiche Junker von der Mancha

Miguel de Cervantes Saavedra: Don Quijote

Der Ritterroman grassierte Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts. Weltliche und geistliche Verordnungen zu deren Eindämmung halfen wenig.
Da veröffentlichte 1605 Cervantes den Anti-Ritterroman mit der lächerlichen dürren Figur des Don Quijote, dem «halbgescheiten Narr mit lichten Augenblicken» und dem, dem Realitätsprinzip verhafteten und lebensfrohen Aliteraten Sancho Pansa. Er richtete damit in kurzer Zeit die ganze Gattung zu Grunde. Heinrich Heine stellte fest: «Cervantes schrieb die grösste Satire der menschlichen Begeisterung.» Ein Meister in dramaturgischer, epischer und lyrischer Darstellung stellte Cervantes die Wahrnehmung von Fiktion und Realität gründlich in Frage, reflektierte Verblendung, Narrheit und die Ideen der Vergangenheit und deren Nachleben in der Gegenwart. Seine Wirkung war gross und nachhaltig, seine Stilmittel geradezu avantgardistisch.
Flucht und Freiheit waren ihm ein zentrales Anliegen. Freiheit als Abwesenheit von Zwang und Vorschrift, als Willensfreiheit und Entfaltung der eigenen Lebensart. Sie war ihm eine Form von anarchischem Individualismus, deren Umsetzung wohl nur im Roman glücken konnte.
Ulrich Riklin

Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1997
1166 Seiten, Kartoniert
ISBN 978-3-423-12351-8

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CHF 27,50

Novalis
Heinrich von Ofterdingen

Novalis: Heinrich von Ofterdingen

Der bedeutendste Dichter der Frühromantik lässt den jungen Heinrich von Ofterdingen in einem erträumten «Abenteuerroman» innere und äusserliche klassisch-romantische Zustände und Begebenheiten durchleben: eine stete Verherrlichung des Gewöhnlichen, Wechselbäder der Gefühle, Sehnsucht, allumfassende Liebe (die sofort wieder entschwindet) oder die Einsamkeit in der Natur und deren Unendlichkeit.

Novalis strebte in seinem Werk danach, die Trennung von Natur, Geist und Seele durch pantheistische Poetisierung («magischer Idealismus») aufzuheben. So lässt sich Heinrich von der «blauen Blume» verzaubern, welche die Sehnsucht des Menschen nach romantischer Lebenserfüllung verkörpert. Nach dem Erscheinen des Romanfragments wurde sie alsbald zum allgemeinen Symbol für die Dichtung der geistesgeschichtlichen Epoche der Romantik.
Andrea Ruth Schreiber

Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1997
253 Seiten, Kartoniert
ISBN 978-3-423-02603-1

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CHF 12,70

Gustave Flaubert
Drei Erzählungen

Gustave Flaubert: Drei Erzählungen

«Mit den Drei Erzählungen - Ein schlichtes Herz, Die Legende von Saint Julien dem Gastfreien und Herodias - zeigt Flaubert in bewundernswerter Schärfe die drei Seiten seiner Begabung. Man könnte glauben, dass er damit einen vollständigen und vollkommenen Auszug aus seinem Gesamtwerk habe geben wollen.» Guy de Maupassant

Dem ist nichts hinzuzufügen, und ich hoffe, dass Sie Maupassants Empfehlung ermuntert, sich erneut oder endlich in das Werk von Flaubert zu vertiefen. Die Drei Erzählungen sind ein sehr guter Einstieg, obwohl sie zu den letzten Werken Flauberts gehören. Als er im Februar 1877 an der letzten Szene von Herodias arbeitete, schrieb er an seine Nichte: «Ich muss mir einen frisch enthaupteten menschlichen Kopf ansehen.» Ja, da geht es ganz schön gruselig zu und her...
Barbara Gafner

Reclam Verlag, Leipzig 1994
189 Seiten, Kartoniert
ISBN 978-3-15-008972-9

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CHF 8,60

Robert Louis Stevenson
Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Robert Louis Stevenson: Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde

«Wenn Sie in eine andere Rolle schlüpfen könnten, was wären Sie gerne?» Gut erinnere ich mich daran, als uns in der Berufsschule vor dem Lesen des Buches diese Frage gestellt wurde. Eine interessante und zeitlose Frage, genau wie das Werk von Stevenson.

Der angesehene Henry Jekyll weckt den Argwohn und die Neugierde seines Freundes Gabriel John Utterson, schenkt er doch in letzter Zeit dem eher zwielichtigen Edward Hyde sehr viel Aufmerksamkeit. Die Warnungen und Fragen seiner ihm vertrauten Freunde in den Wind schlagend, scheint Dr. Jekyll diesem Mr. Hyde immer mehr zu verfallen - bis eines Tages ein Mord geschieht, welcher ganz klar Mr. Hyde anzulasten ist. Danach scheint dieser verschwunden, und auch Henry Jekyll's Verhalten normalisiert sich wieder. Doch so einfach lässt sich diese Situation, die doch viel tiefer geht als alle auch nur erahnen können, nicht verändern...
Simeon Reiser

Diogenes Verlag, Zürich 2000
115 Seiten, Kartoniert
ISBN 978-3-257-22868-7

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CHF 14,90

Ernest Hemingway
Fiesta

Ernest Hemingway: Fiesta

Im Klassiker "Fiesta" erzählt Ernest Hemingway die Geschichte von einem jungen Mann namens Jake, der seit dem Krieg impotent ist. Jake liebt Beth, da für diese aber die Sexualität sehr wichtig ist, hat diese Liebe von Anfang an keine Chance. Beth braucht Jake immer nur, wenn es ihr selbst nicht gut geht, daneben hat sie zahlreiche Beziehungen zu Jakes Künstlerfreunden und Bekannten.
Der Roman lebt von Sinnbildern, welche die karge Handlung in den Kaffees von Paris und an der Fiesta in Spanien eindrücklich und interessant machen.
Katia Burkhalter

Rowohlt Verlag, Reinbek 2002
281 Seiten, Kartoniert
ISBN 978-3-499-22603-8

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