Reihenweise

Listen und Reihen sind beliebt, man sehe zum Beispiel die erfolgreichen Reiseführer-Reihen oder die Taschenbuch-Reihen, die man vor allem an den Farben und Formen problemlos überall erkennt (und die auch überall stehen, seis nun in der Buchhandlung oder im Kiosk, etc.)

Nun macht sich ein Reihen-Phänomen breit. Wirklich spürbar hat es für uns mit der Bibliothek der Süddeutschen Zeitung angefangen: 50 Klassiker (leider mit zu wenigen Autorinnen darunter) zu sehr moderaten Preisen mit der Aussage: Lesen ist für alle erschwinglich und eine gut getroffene Auswahl führt die Lesenden direkt ins Leseparadies. Animation auf die Elegante.

Als zweiter Wurf danach die äusserst beliebte und immer noch laufende Reihe Cinemathek der Süddeutschen Zeitung. Wieder 50 ausgewählte Filmklassiker, angerichtet als preisgünstige DVD. Und da hat es wirklich Rosinen darunter!

Ganz neu lanciert nun das F.A.Z.-Feuilleton eine Reihe Klassiker der Comic-Literatur in 20 Bänden. Durchmischtes, nicht alles zum Brüllen, ich persönlich kaufe mir nicht jeden Band, aber einige davon muss ich einfach haben.

Natürlich konnten es andere nicht lassen, auch gleich eine Reihe auf den Markt zu werfen, aber seis drum.

Aber warum nun sind solche Reihen plötzlich so beliebt? Weil sie an den Sammler-Trieb appellieren? Weil sie für uns ausgewählt wurden und wir uns nicht mehr mit der Auswahl befassen müssen, also ein Obolus an unsere Bequemlichkeit?
Oder ist die Auswahl jeweils so wahnsinnig aussergewöhnlich? Und: Was alles kann man noch zu Reihen verwursten?

Fragt sich die Buchhändlerin.

7 Reaktionen zu “Reihenweise”

  1. BB

    Hätt ich fast vergessen, ist aber auch keine Reihe im aktuellen Sinn, aber 50 Jahre Pixi-Büchlis ist auch einen Blick wert.
    V.a. die aus den 50-ern sind wirklich heiss.

  2. rollblau

    Es mag zum einen die Sehnsucht nach dem Literatur – Kanon sein, einem der dem Leser entspricht. Denn man erwartet ja, daß man sich in der Auswahl ebenso wiederfindet wie in der Zeitung / Zeitschrift, die man liest und die verantwortlich auch für die Reihe zeichnet. Der andere Aspekt ist ganz klar der Preis. Leider sind in den vergangenen Jahren Bücher sehr, sehr teuer geworden. In solchen Reihen bekommt man gute (=adäquate) Literatur in guter Ausstattung zu niedrigen Preisen. LG rollblau

  3. TM

    nur eine kleine Korrektur an rollblau: Bücher sind in den letzten Jahren nicht sehr, sehr teuer geworden, im Gegenteil, die Teuerung der Bücher liegt weitaus tierfer als die Teuerung des Warenkorbs und zwar seit dem Ende des 2. Weltkrieges. Dies sogar im Vergleich mit Deutschland.

    Der Tagesanzeiger vom 28.9. vemeldet, dass der deutsche Warenkorb insgesamt 26% billiger sei als der in der Schweiz. Die Bücher in Deutschland jedoch seien nur 8% billiger als die in der Schweiz.

    Auch wenn ich zu denen gehöre, die finden, dass man dem Konsumenten – der wahrlich auf nichts so viel rumhackt, wie auf den Buchpreisen – entgegenkommen soll: Zwischendruch muss man auch mal festhalten, um wie viel (oder wie wenig) Prozente man hier eigentlich stürmt, gerade im Vergleich zu allen anderen Produkten.

  4. rollblau

    Meine Einschätzung beziehen sich zum einen auf Deutschland (hier ergibt sich auch nach Deinen Zahlen eine Differenz im Preisverhältnis zu anderen Waren, sprich : Bücher sind hier stärker verteuert worden als in der Schweiz, wenn ich die Prozentrechnung richtig beherrsche), zum anderen beträgt mein Zeitrahmen etwa 15 Jahre, zu dessen Beginn die Verlage selbstbewußt verkündet haben, die Preise sollten kräftig erhöht werden und sich wie jedes Wirtschaftsgut entwickeln. Und dies wurde spürbar umgesetzt. Kein TB ist mehr unter 6 – 7 Euro zu haben, im Hardcover, Bereich Belletristik trifft man inzwischen auf Spitzenpreise von 32 – 36 Euro (Wagenbachs Kamasutra und Belyis “Petersburg” bei Insel). Dies mag wirtschaftlich notwendig und sinnvoll sein, korrespondiert aber in D mit einem zeitgleichen Rückgang der Reallöhne, der seit gut 20 Jahren im Gange ist. Die direkte Auswirkung war ein massiver Umsatzrückgang im Segment Buchhandel, spätestens mit Einsetzen der Wirtschaftskrise im Nachgang der Wiedervereinigung (und ich lebe in Berlin, wo der wirtschaftliche Abbau ebenso wie in den neuen Bundesländern stärker spürbar ist als im vielleicht weniger davon betroffenen Westen und Süden). Neuere Zahlen sehen wieder bessere Umsätze im Buchhandel, mögen wir hoffen, daß sich das weiter positiv entwickelt, denn ich würde den traditionellen, stationären Buchhandel trotz Internet arg vermissen (und gehörte ja auch mal dazu). LG rollblau

  5. TM

    Dann kritisierst du eher das, was ich z.B. im Gastgewerbe kritisiere (jedenfalls in der Schweiz): Es gibt zu wenig Möglichkeiten, an ein warmes Getränk zu kommen, das wirklich kostengünstig ist (also bis 1.– Fr.). Es gibt zu wenig Bücher, die wirklich kostengünstig sind. Und weil sie das bieten, erhalten die Reihen Aufschwung.

    Jetzt versehe ich dich und bin erst noch einverstanden. LG, Tanja

  6. rollblau

    Die Reihen sind für mich eine notwendige Konsequenz aus der Preispolitik der vergangenen Jahre. Nicht einmal mehr Reclamhefte bewegen sich in einem für alle zugänglichen Preissegment. Für mich sind Bücher nicht nur Handelsware, sondern in erster Linie Kulturgut, das jedem und jederzeit zugänglich sein soll. Natürlich müssen auch damit Gewinne erwirtschaftet werden, jedoch läßt die Konzentration im Buchhandel und vor allem in den Verlagen befürchten, daß dieses der einzige Aspekt in Zukunft sein wird.Bislang haben darüber hinaus öffentliche Bibliotheken einen gewissen Teil des Preisdrucks abfangen können, doch wiederum parallel werden in D – und nur dafür kann ich argumentieren – die Mittel massiv zurückgefahren. Schön, daß wir doch zueinander kamen.:)Einen schönen Wochenbeginn. LG rollblau

  7. BB

    Im neusten Börsenblatt steht’s:
    Die Jugend-Bibliotheken der Süddeutschen Zeitung und von Geolino (Gruner und Jahr) finden reissenden Absatz und werden massenhaft verkauft. Eine weitere Reihe startet im Frühling 06: die “Zeit Kinder-Edition. Die schönsten Bücher zum Vorlesen”.

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