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Ruge, Eugen: Pompeji oder Die fünf Reden des Jowna

Roman | »Ein Buch wie ein Vulkan: kraftvoll und faszinierend.« (Martin Oehlen, Frankfurter Rundschau)

Im August 79. n. Chr. verschüttete die Asche des Vesuvs die Stadt Pompeji. Bis heute ist noch nicht alles erforscht, nicht alles bekannt über die Bewohner:innen und ihr Leben in der römischen Colonia Cornelia Veneria Pompeianorum.
Eugen Ruge nimmt uns mit auf eine Zeitreise ins Jahr 830 «nach Gründung der ewigen Stadt oder, nach pompejanischem Zeitmass, fünfzehn Jahre nach dem Grossen Beben».

Jowna alias Josephus alias Josse ist ein Niemand, als er im Hühnerstall (örtlicher Vogelschutzverein und Philosophenclub) die Rede eines Bergbauspezialisten hört, der das Vogelsterben zu erklären versucht. Pompeij liege am Fusse eines Vulkans, dem Monte Somma, der ab und zu giftige Gase ausstiesse und so für den Tod der Vögel, Schweine und kürzlich sogar von zwei Vogelschützern verantwortlich sei. Für Josse ist klar: Da sich der Berg ja wohl kaum von der Stelle bewegen lässt, müsse man sich eben selbst wegbewegen.
Mit seiner ersten, rhetorisch noch sehr ungelenken Rede, wird Josse zum Anführer einer Aussteiger-Bewegung und zu einem Dorn im Auge der Obrigkeiten.
Als Sohn eines armen Einwanderers fühlt sich Josse jedoch bald intellektuell, rhetorisch und biographisch seinen Anhängern unterlegen und so beginnt er seine Familiengeschichte neu zu erfinden, dichtet hier eine adlige Abstammung dazu und dort einen wohlhabenden Vorfahren. Auch seine Reden werden immer ausgeklügelter und im Nachhinein noch etwas brillanter aufgeschrieben, als sie tatsächlich gehalten wurden.
Die Macht, der Ruhm und die Zuneigung von Livia Numistria, der mächtigsten Frau der Stadt und ungeliebte Gattin des Stadtoberhauptes Fabius Rufus, lassen Josses Überzeugungen allerdings bald dahinschwinden. Er gründet den ersten Vulkan Verein von Pompeji und setzt sich nun für ein «Leben mit dem Vulkan» ein. Der Höhepunkt seines Werdegangs mündet in seiner fünften und letzten Rede, eine Rede so mitreissend und aufschreckend, dass selbst der Vulkan nicht mehr still bleibt.

Eugen Ruges neuster Roman ist trotz allem kein historischer Roman. Er ist vielmehr Politsatire und Gesellschaftskritik, ein Spiegel für das 21. Jahrhundert, verpackt in achtzehn historisch angehauchte Schriftrollen und verfasst von einem unbekannten und allwissenden Schreiber.

Meine Leseempfehlung für Gesellschaftskritiker mit Humor und einem Herz für das alte Rom.

Livia Weber

Artikelnummer: 978-3-423-28332-8
CHF 35.50
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Autor Ruge, Eugen
Verlag DTV
Einband Fester Einband
Erscheinungsjahr 2023
Seitenangabe 368 S.
Meldetext Lieferbar in 24 Stunden
Ausgabekennzeichen Deutsch
Masse H21.0 cm x B12.8 cm x D2.9 cm 475 g
Auflage 4. A.
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