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Becher, Ulrich : New Yorker Novellen

Ein Zyklus in drei Na?chten

Je später der Abend, desto higher die society... In einer Welt von Emigranten, Künstlern, die in die USA der 30er, 40er Jahre gestrandet sind, zeichnet Ulrich Becher ein tragikomisches Bild des Überlebenskampfes in der Fremde. Es gelingt nur wenigen, mit ihren all zu hohen künstlerischen Idealen in New York Fuss zu fassen. So wird auch der Dichter und Alter Ego Bechers Hans Heinz Nachtigall resp. John Henry Nightingale von den Verlegern darauf hingewiesen, ein Publikum könne so nicht erreicht werden. Einst in der Kunstwelt der Avantgarde zu Hause, steigt der Ich-Erzähler zum Psychoanalytiker der Oberschicht auf. Sein Malerfreund macht derweil Karriere als surrealistischer Maler in Amerika. Becher entlarvt in märchenhaften Schicksalen die Täuschungsmanöver derer, die, je schwieriger der Lebenskampf unter Überreichen, umso mehr betrügen, aber die Hoffnung noch am Existenzrand nie verlieren. Das Analysieren und Zerlegen findet eine überaus komische Allegorie in der karikaturistischen Figur des Psychoanalytikers („the most fashionable talking doctor“). Die Verbindung des Protagonisten zum Vater, über die Kriegsjahre abgerissen, wird zur Bindung an die Vergangenheit in Deutschland.

Auch die Novelle "Der schwarze Hut" reiht sich mit Rückblenden, Ortswechseln und schrillen Persönlichkeiten in das humoristische Werk Bechers ein. Aus dem 3. Reich, dem Konzentrationslager Dachau entlassen, wird der Häftling Klopstock schwer misshandelt entlassen. Angekommen in einer Welt, die gegensätzlicher nicht sein könnte, landet er nach Alkoholexzessen mit Bänkern und Aktienhändlern mit einem Geschenk auf einer Parkbank des Central Parks. Es ist dies ein übergroßer, schwarzer Strohhut, mit dem er sich nur zudecken kann. Der Hut, weit gereist, wird dem vermeintlichen Landstreicher von einem Streifenpolizisten abgenommen und endet als Belustigung auf einer weiteren Feier.

George Grosz, künstlerischer Mentor Ulrich Bechers, war, wie Becher selbst, von den Nazis als "entarteter" Künstler aus Deutschland vertrieben worden. Die Erzählungen, erstmals 1950 erschienen und nun in einer Neuauflage, sind eine grossartige Wiederentdeckung, die bei aller Schärfe und Ernsthaftigkeit die Bedeutung des Lachens nicht verlieren.

Martha Höschel

Artikelnummer: 978-3-89561-453-8
Fr. 34.90
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Autor Becher, Ulrich / Wagner, Moritz (Hrsg.) / Wagner, Moritz (Nachw.)
Verlag Schöffling
Einband Fester Einband
Erscheinungsjahr 2020
Seitenangabe 408 S.
Meldetext Lieferbar in 24 Stunden
Ausgabekennzeichen Deutsch
Masse H21.2 cm x B13.9 cm x D3.8 cm 574 g
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